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Die Diagnose kam aus heiterem Himmel

von: Petra Becker

Meine Diagnose Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) erhielt ich Februar 2008 im Alter von 51 Jahren. Eines Tages hatte ich sehr starke Bauchschmerzen, in der Uniklinik wurde CLL diagnostiziert. Dies kam aus heiterem Himmel, im Vorfeld hatte ich nur festgestellt, dass ich einen Bauch bekommen habe und dies dem Älterwerden zugeordnet habe. Es haben sich jedoch Blutzellen in der Milz angesammelt was dann zu einem Milzinfarkt geführt hat.

Zunächst bin ich, wahrscheinlich wie viel andere auch, in ein Loch gefallen:

Wieso, warum gerade ich, was macht die Familie, man hat doch noch so viel vor, ich habe doch gesund gelebt, mich gut ernährt und immer Sport gemacht! Nach den weiteren umfangreichen Untersuchungen war aber wieder meine Neugier geweckt und ich habe mich mit den verschiedensten Therapieformen auseinandergesetzt. Darunter auch mit Komplementärmedizin. Die Stammzelltransplantation wurde dabei von mir als allerletzte Möglichkeit weit nach hinten verdrängt. Also habe ich von Sommer 2008 bis Sommer 2012 verschiedene Chemotherapien erhalten:  mal mit kurzem Erfolg, aber auch durchaus mal mit einem ¾ Jahr Ruhe bis zum nächsten Rezidiv.

Im Jahre 2011 sprach mich mein Hämatologe auf eine mögliche Behandlung mit einer Stammzellentherapie an, ich sollte mir doch das mal überlegen und Gedanken darüber machen. Bei einem sehr ausführlichen Beratungsgespräch in der Klinik wurden meiner Frau und mir die Behandlung erläutert. Eine Terminierung der Behandlung fand noch nicht statt, und ich wollte auch noch nicht diesen Schritt wagen.

Im Sommer 2012 verwandelte sich die CLL in eine aggressive Form und es musste gehandelt werden, dazu kamen noch Lungenprobleme. Es waren mehrere Krankenhausaufenthalte mit ambulanter Chemotherapie notwendig, vorher waren die Behandlungen immer ambulant. Das war jetzt der Zeitpunkt, um mit der Suche nach einem Spender zu beginnen. Mir wurde umfangreich Blut abgenommen. Mittlerweile hatten die Chemotherapien doch Ihre Spuren hinterlassen und mein Allgemeinzustand war nicht mehr so gut. Dann das Warten:

Wird es einen Spender geben? Wie lange dauert es? Dann kam im November die erlösende Info: Ein Spender wurde gefunden!

Nun starteten die noch notwendigen Voruntersuchungen zur Transplantation. Ich wurde komplett untersucht, im Dezember wurde ich noch im Bauchraum (Milz) bestrahlt. Am 01.01.2013 sollte ich mich in der Klinik zur Transplantation einfinden. Es hieß am Neujahrstag Abschied nehmen von zu Hause, da kam dann nochmal die Angst auf: Hast du Alternativen? Schaffst du das? Klappt das alles? Doch durch die Gespräche davor und Unterstützung meiner Frau wurden die Sorgen sehr viel kleiner!  

So wurde dann der 11.01.2013 als der Tag X festgelegt. Bis dahin waren wieder einige diverse „Chemikalien“ (ich wollte das dann nicht mehr so genau wissen) in meinen Körper gebracht und haben das Immunsystem komplett eliminiert. Es durfte nichts „Altes“ mehr in mir sein.

Und dann kam auch wirklich am 11.01.13 dieser kleine unscheinbare Beutel an und mir wurde der Inhalt auch umgehend ganz langsam durch den Hickmann Katheder in meine Blutbahn gebracht. In den Tagen im Krankenhaus habe ich auch des Öfteren an den Spender gedacht. Nachfragen wer das ist wurden mir nicht beantwortet, man ist ja hartnäckig und möchte es ja doch wissen, ich habe lediglich die Info bekommen, dass es eine Frau ist. Und immer wieder denkt man an diese „Person“. Echt Klasse das die Medizin das erforscht hat, aber auch Dankbarkeit, dass es 

Menschen gibt, die sich als Spender zur Verfügung stellen!

Ab sofort war nur noch in den Gedanken: Läuft das alles so wie geplant? Die Hoffnung das nun sofort die neue Blutbildung startet war groß. Jeden Tag wurde das Blut untersucht. Es ging nicht so recht mit der Blutbildung voran. Aber nach ein paar Tagen ging es dann ganz langsam los. Damit nahmen auch leider die Nebenwirkungen zu. Das Essen war eine Qual für mich. Ich hatte permanent einen entzündeten Mundraum, der Darm hat auch über Wochen rebelliert. Ich wurde überwiegend über den Hickmann „ernährt“. Es schmeckte einfach gar nichts. Alles war entzündet. Meine Lieblingsspeise war Wassereis! Nach 8 Wochen im Einzelzimmer durfte ich auch schon mal durch die Abteilung laufen und schauen wie es so aussieht, denn gehört habe ich ja viel über den Gang. Die Krankenschwestern und

Krankenpfleger haben sich wirklich sehr intensiv um mich gekümmert. Auch mit den Ärzten hatte ich einige Gespräche auch nach deren Feierabend wurde mir so viel erklärt und besprochen. Im Zimmer hatte ich auch einen Heimtrainer stehen. Alles war mit dem langen Schlauch am Katheder in Reichweite zu erreichen. Jeden Tag duschen und jeden Tag Betten machen. Selbst machen war die Devise! Das war die Vorgabe. Das mit dem Bett war schon manchmal anstrengend, aber es war Bewegung! Gegen Ende des Aufenthaltes durfte ich auch mal ein wenig im KKH wandern um Muskeln aufzubauen, ich kannte mittlerweile jedes Treppenhaus. Einmal war ich in die Kantine gegangen. Ich muss wohl sehr verhungert auf die Pommes geschaut haben. Kaum war ich wieder im Zimmer, hat mir der Küchenchef eine Portion Pommes auf das Zimmer gebracht. Welch nette Geste! Irgendwann durfte ich auch schon mal eine Runde mit meiner Frau im Freien im Rollstuhl unterwegs sein, war das anstrengend und für den Körper schmerzhaft bei jeder Unebenheit des Weges!

Nach fast 11 Wochen Klinikaufenthalt wurde ich dann entlassen.

Ich musste noch regelmäßig zu Untersuchungen in die Klinik fahren. Mit dem Essen und dem Zunehmen klappte es überhaupt nicht. Es schmeckte einfach nicht, der Geschmack war einfach weg. Ich musste Kalorien zu mir nehmen, egal wie. Das hielt bis ca. Herbst 2013 an. Danach wurde es langsam besser.

Dann habe ich den Brief an meine Spenderin geschrieben. Ich durfte jedoch keine Namen oder Adressen nennen. Die Briefe wurden kontrolliert das nichts darin steht, was die Identität erkennen lässt. Erst 2 Jahre nach der Transplantation besteht die Möglichkeit die Adressen zu erhalten, wenn Beide das wünschen. In diesen beiden Jahren haben wir regelmäßig geschrieben und nach den 2 Jahren haben wir uns das erste Mal getroffen. Mittlerweile treffen wir uns regelmäßig und tauschen uns per Telefon aus.

Nun sind seit der Transplantation schon 13 Jahre vergangen.

In dieser Zeit gab es hier und da ein paar Problemchen, bzw. sind ein paar Kollateralschäden entstanden, aber dies ist im Vergleich zur CLL und deren Folgen bei weitem nicht so schlimm. Meine Vermutung was zur guten Genesung beigetragen hat ist, dass ich vor der Diagnose gut trainiert war und keine Vorerkrankungen hatte, aus dem Berufsleben ausgeschieden bin und aus der Großstadt aufs Land in die Ruhe gezogen bin.

Alles in allem habe ich richtig Glück gehabt und bin auch sehr dankbar dafür!!!

 

Wir danken dem Empfänger (69) der Stammzellen unserer Spenderin Sabine für diese persönlichen Worte und wünschen ihm und seiner Familie nur das Beste!

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