Fragen & Antworten zur Stammzellspende

Als Knochenmark- oder Blutstammzellspender ist man automatisch bei der jeweiligen Gemeindeunfallversicherung versichert. Zusätzlich wird eine Unfall- und Lebensversicherung durch die Deutsche Stammzellspenderdatei abgeschlossen. Der Versicherungsschutz umfasst auch die Fahrten zur Spendeeinrichtung und alle notwendigen Untersuchungen.

Blutstammzellen sind undifferenzierte oder wenig differenzierte Vorläuferzellen der Blutbildung. Aus diesen Mutterzellen entwickeln sich die verschiedenen Blutzellen, also rote und weiße Blutkörperchen, sowie Blutplättchen.

Normalerweise befinden sich diese Stammzellen im Knochenmark, insbesondere im Beckenkamm, im Brustbein und in den Rippen. Dort differenzieren sie aus und reifen heran. Die reifen Zellen verlassen dann das Knochenmark und treten in die Blutbahn über, wo sie ihre Aufgaben erfüllen.

Blut besteht aus Zellen und Blutplasma. Die Blutzellen haben eine begrenzte Lebensdauer, sie gehen schon nach wenigen Tagen (Blutplättchen) oder einigen Monaten (rote Blutkörperchen) zugrunde. Aus diesem Grund werden diese Blutzellen ständig neu in der jeweils erforderlichen Menge nachproduziert; diese Blutbildung findet bei gesunden Menschen im Knochenmark statt. Dieser Vorgang der Erneuerung kann jedoch gestört sein: es entstehen überwiegend unreife Blutzellen, die weitgehend funktionsuntüchtig sind. Man spricht von Leukämie (Blutkrebs). Diese bösartige Erkrankung bewirkt also die fehlerhafte Bildung der Blutzellen in den Hohlräumen der Knochen. Vielfach ist bei diesen schwerwiegenden Erkrankungen eine Heilung nur möglich durch die Transplantation gesunder blutbildender Zellen (Stammzellen) eines im Gewebetyp gut übereinstimmenden Spenders.

Bei einer Transplantation erhält der Patient Stammzellen eines gesunden Spenders. Aus diesen Stammzellen können sich sämtliche Blutzellen, insbesondere Zellen des Immunsystems neu bilden.

Bei der Therapie, die einer Transplantation vorausgeht, werden die Stammzellen des Patienten weitestgehend zerstört. Dadurch sollen auch alle kranken Zellen eliminiert werden.

Die Spende von Blutstammzellen ist das heute vorwiegend angewendete Verfahren. Es hat die Knochenmarkentnahme, die eine Narkose erfordert, weitgehend abgelöst.

Bei der Stammzellspende gewinnt man die zur Transplantation benötigten Zellen aus dem Venenblut des Spenders. Darum muss zunächst die Zahl der Stammzellen im Blut erhöht werden. Hierzu ist eine viertägige Vorbehandlung des Spenders mit dem Botenstoff G-CSF erforderlich. Das Medikament wird zweimal täglich unter die Haut gespritzt. Es bewirkt, dass Stammzellen vom Knochenmark in das periphere Blut übertreten.

Zur eigentlichen Stammzellgewinnung benutzt man ein spezielles Verfahren, welches Stammzellapherese genannt wird. Bei dieser Methode wird das Blut des Spenders in einem ständigen Kreislauf aus einer Armvene durch einen Zellseparator geleitet und aufgetrennt. Es werden die Stammzellen gesammelt. Die für die Transplantation nicht benötigten Blutbestandteile werden dem Spender über eine andere Armvene wieder zurückgeführt. Die Stammzellseparation wird im Zentralbereich Stammzelle und Transplantationsimmunologie des DRK-BSD BaWü - Hessen sowie im Bereich des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost im Institut Chemnitz und in der Uniklinik in Dresden durchgeführt und dauert vier bis fünf Stunden. In einigen Fällen muss sie am folgenden Tag wiederholt werden, um die benötigte Menge von Stammzellen zu erhalten.

Die Spende wird ambulant durchgeführt. Es ist kein stationärer Aufenthalt mit operativem Eingriff und Narkose erforderlich.

Bei diesem Verfahren zur Gewinnung blutbildender Zellen wird Knochenmark durch Punktion des Beckenkamms entnommen. Diese Methode wird nur noch selten angewendet. Der Eingriff erfolgt stationär in einer Klinik, die für die Knochenmarkentnahme eine gesetzliche Zulassung hat und über Erfahrung bezüglich dieser Methode der Stammzellentnahme verfügt. Um die Knochenmarkzellen schmerzlos entnehmen zu können, erhält der Spender eine Vollnarkose.

Es wird, je nach Gewicht des Patienten, zwischen 0,5 und 1,5 Liter Knochenmarkblut durch eine Punktionsnadel abgesaugt. Die Entnahme dauert etwa eine Stunde.

Die entnommene Menge an Knochenmark wird im Körper innerhalb weniger Wochen nachgebildet.

An dieser Stelle möchten wir sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Begriff Knochenmark nicht mit Rückenmark verwechselt werden darf. Knochenmark ist blutbildendes Gewebe, das in bestimmten Knochen vorkommt, Rückenmark liegt dagegen im Wirbelkanal und ist ein Teil des Nervensystems, der nicht transplantiert werden kann.

Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen, müssen Sie zunächst eine Einverständniserklärung mit Ihren Daten ausfüllen und unterschreiben.

Zur Bestimmung Ihrer HLA-Gewebemerkmale (HLA = Humane Leukozyten-Antigene) wird Ihnen circa 10 ml Venenblut oder eine Mundschleimhautprobe (Wattestäbchen) entnommen. In einem von uns beauftragten Labor werden dann diese transplantationsrelevanten Gewebemerkmale bestimmt. Ein Teil der Blutprobe wird für eventuelle weitere HLA-Typisierungen bei uns aufbewahrt. Ihre persönliche Daten und HLA-Merkmale werden unter der Beachtung des Datenschutzgesetzes in der Datenbank der Stammzellspenderdatei gespeichert. Die Gewebemerkmale werden zusammen mit einer Personenkennziffer pseudonymisiert an das deutsche Zentralregister (ZKRD) und an die internationale Spenderdatei (BMDW) weitergegeben.

Wenn Sie schon in einer anderen Spenderdatei registriert sind, brauchen Sie sich nicht erneut zur Verfügung zu stellen, da die Daten aller Dateien im Zentralregister zusammenfließen. Eine Registrierung für eine gerichtete Spende ist nicht möglich. Das heißt, man kann sich nicht nur für einen Patienten typisieren lassen.

In den Tagen vor der Transplantation wird der erkrankte Empfänger mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung behandelt. Damit wird sein krankes Knochenmark für die Transplantation vorbereitet. Zeitgleich erfolgt die Vorbereitung des Spenders für die Stammzellspende. Das gewonnene Stammzellpräparat wird nach der Entnahme von einem Kurier sofort zur Klinik des Patienten gebracht. Dort wird es dem Empfänger wie eine normale Blutkonserve zugeführt. Die im Präparat enthaltenen Stammzellen siedeln sich nun im Knochenmarkraum des Patienten an. Dort beginnen sie sich zu vermehren und bereits zwei bis drei Wochen nach der Transplantation sind die neuen Zellen im Blut des Patienten nachweisbar.

Dank vieler Initiativen ist es gelungen, ein zentrales Knochenmarkspenderregister in Deutschland (ZKRD) aufzubauen. Auch alle durch die Deutsche Stammzellspenderdatei erfassten potentiellen Spender sind in diesem Register pseudonymisiert gespeichert.

Das „Zentralen Knochenmarkspenderregister für Deutschland“ (ZKRD) ist mit allen anderen Registern z.B. Registern in Europa oder den USA vernetzt. Alle Daten laufen in der „Bone Marrow Donors Worldwide“-Datei (BMDW) zusammen, in der die Gewebemerkmale aller weltweit verfügbaren Spender gespeichert sind. An dieses zentrale Register richten die Kliniken ihre Suchanfragen nach geeigneten Spendern. So kann es sein, dass ein deutscher Patient Stammzellen aus Kanada erhält, oder ein deutscher Knochenmarkspender für einen Erkrankten in Griechenland herangezogen wird.

Bei der Spende von Stammzellen aus peripherem Blut werden Operation und Narkose vermieden. Stattdessen muss der Spender medikamentös vorbehandelt werden. Als Nebenwirkungen der G-CSF-Behandlung treten Grippe-ähnliche Symptome wie Knochen-, Muskel-, oder Kopfschmerzen auf. Diese Symptome können mit Schmerzmitteln behandelt werden und klingen nach Ende der Behandlung wieder ab. Langzeiteffekte des natürlichen Botenstoffes G-CSF sind seit Beginn des Einsatzes im Jahre 1989 nicht bekannt geworden.

In seltenen Fällen können bei der G-CSF-Gabe und bei der Entnahme von Stammzellen aus Knochenmark oder peripherem Blut allergische Reaktionen auftreten.

Wichtig: Die Entscheidung zur Spende ist freiwillig und kann bei einer Aktivierung ohne Angabe von Gründen widerrufen werden. Falls Sie tatsächlich einmal für eine Spende in Frage kommen, werden wir mit Ihnen ein ausführliches Gespräch führen. Dort wird Ihnen die Gelegenheit gegeben, eine endgültige Entscheidung zu treffen. Nach Erteilung der Einverständniserklärung und Beginn der Vorbehandlung des Patienten ist eine Spende unerlässlich, da der Patient ohne sie nicht überleben kann.

Bei der Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm wird ein operativer Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt. Jede Knochenmarkentnahme und jede Vollnarkose bergen ein gewisses Risiko in sich. Bei gesunden Spendern ist die Gefahr ernster Komplikationen jedoch sehr gering. An der Entnahmestelle können sich Blutergüsse bilden und noch einige Tage Schmerzen auftreten. Das Knochenmark selbst regeneriert sich in kurzer Zeit, sodass von daher keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Auf jeden Fall erfolgt vor der Spende eine ausführliche Aufklärung über eventuelle Risiken.

Für eine autologe Transplantation wird dem kranken Patienten vor der eigentlichen Behandlung ein Stammzellpräparat entnommen. Im Anschluss an diese Entnahme erfolgt eine hoch dosierte Chemotherapie. Danach erhält der Patient seine eigenen Stammzellen zurück. Der Ablauf der autologen Transplantation ist dem der allogenen Transplantation also sehr ähnlich, nur dass hier kein fremder Spender benötigt wird. So besteht kein Risiko durch eine Infektion mit fremden Krankheitserregern durch das verabreichte Präparat. Der große Nachteil des autologen Verfahrens ist das erhöhte Risiko eines Rückfalls. Es besteht immer die Gefahr, mit den Stammzellen auch kranke Zellen zurückzugeben.

Bei dieser Art der Stammzell-Transplantation gibt ein gesunder Spender seine Stammzellen für einen kranken Patienten. In den Tagen vor der Transplantation wird der erkrankte Empfänger mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung behandelt. Durch diese Vorbehandlung werden die blutbildenden Zellen des Patienten zerstört. So hofft man, auch alle kranken Zellen zu zerstören. Zeitgleich erfolgt die Vorbereitung des Spenders für die Stammzellspende.

Das gewonnene Stammzellpräparat wird nach der Entnahme von einem Kurier sofort zur Klinik des Patienten gebracht. Dort wird es dem Empfänger wie eine normale Blutkonserve zugeführt. Die im Präparat enthaltenen Stammzellen siedeln sich nun im Knochenmarkraum des Patienten an. Dort beginnen sie sich zu vermehren und bereits zwei bis drei Wochen nach der Transplantation sind die neuen Zellen im Blut des Patienten nachweisbar.

Die allogene Transplantation ist gleichzeitig eine Immuntherapie. Die Spenderzellen können bei der Beseitigung von bösartigen Zellen im Körper des Patienten mithelfen. Man hat also eine zusätzliche Therapie allein durch die Gabe von fremden Zellen. Das ist auch der große Vorteil der allogenen Transplantation gegenüber dem autologen Verfahren.

Der Nachteil der allogenen Transplantation ist neben der sehr zeitaufwendigen Suche nach einem geeigneten Spender und der Gefahr einer Ansteckung des Patienten durch Krankheitserreger im Stammzellpräparat vor allem das Risiko einer „Graft versus Host Reaktion“ (GvH). Im Falle einer solchen Reaktion attackieren die immunkompetenten Zellen des Spenders den Körper des Patienten. Klinisch ähnelt dieser Vorgang einer schweren Autoimmunerkrankung. Auch ist die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßung des Präparates bei einer allogenen Transplantation größer als beim autologen Verfahren.

Der Spender kann seine Einverständniserklärung zur Spende jederzeit und ohne Angabe von Gründen zurückziehen. Wenn jedoch im Vorfeld der Transplantation mit der Behandlung des Patienten begonnen wurde, ist ein Rücktritt von der Spende nicht mehr möglich. Der Patient ist dann auf das Transplantat angewiesen, da er sonst in eine lebensbedrohliche Situation geraten würde.

Wenn der Spender weiß, dass er spenden wird, sollte er aufpassen, dass ihm je nach Umfeld, Beruf und persönlichen Neigungen bis zur Entnahme nichts passiert und er auch garantiert spenden kann. Denn ab circa zehn Tage vor der Transplantation gibt es für den erkrankten Patienten kein zurück mehr. Wenn er dann kein Transplantat erhält, wird es für ihn lebensbedrohlich.

Für jede Registrierung eines freiwilligen Stammzell- und Knochenmarkspenders fallen Kosten an. Allein die Gewebetypisierung mittels hochmoderner molekularbiologischer Methoden kostet allein 40 €. In unserem Gesundheitssystem ist eine Finanzierung dieser Summe durch die Krankenkassen nicht vorgesehen. Daher sind wir auf finanziellen Zuwendungen angewiesen. Bitte unterstützen sie uns im Rahmen Ihrer Möglichkeiten mit einer Geldspende.

Sollten Sie sich zu einer Geldspende entschließen, überweisen Sie bitte an eines der aufgeführten Spendenkonten entsprechend Ihrer zuständigen Region.

Logo: Deutsche Stammzellspenderdatei
Hotline 0800 100 40 66
Logo: Deutsches Rotes Kreuz